[Begegnung in der Bahn – Ostblau]

Er sitzt da, mit ausgeblichenen blauen Augen, deren Farbe sich in dem wirren und unbeschreiblich stillosen Muster der Sitze wiederfinden. Und wie er schaut, in den Regen und dann zu mir. Seine Stirn legt sich in Falten, beinahe die ganze Zeit. Angestrengt sieht er in den grauen Himmel, trinkt immer wieder aus derselben, nicht leer werden wollenden Plastikflasche. Er steht auf, geht, kommt wieder. Er steht auf, geht, telefoniert in einem mächtigen sächsischen Akzent, der einem gleichermaßen den Atem raubt und ein gewaltiges Lachen über dessen Geräusche anschwemmt. Er kommt wieder und hat Diabetes. Er isst, legt die Stirn in Falten. Sein Mund, schon von dem sächsischen Akzent geschmälert, die Zähne stillgestanden. Er sieht herüber und beobachtet mein Gesicht, das sich, unweigerlich zu Ludovico Einaudi, schmerzverzieht. Wenn ich in seine Richtung sehe, aus Versehen, wartet er darauf, dass meine Augen in seinen Augen hängen bleiben. Nein, Danke, spätestens die Sprache, und theoretische erotische Anweisungen in ebendieser, haben alles zerstört und so wie er aussieht, ist auch die Möglichkeit ihn mit Küssen zum Schweigen zu bringen keine Möglichkeit. Der mit seinem hässlichen Akzent aus dem bitteren Mund und den ostblauen Augen hätte sicher was zu erzählen. Wahrscheinlich über die DDR.

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