[eine liebesgeschichte]

Ich drehe mich. Doch du drehst dich nicht. Ich bewege mich. Doch du bewegst dich nicht. Genau wie damals. Jetzt stehst du wieder vor mir. Überwältigt. Entsetzt über die Präsenz, die mich dir viel zu nahe bringt. Damals, lehntest du genauso da. An der Bar. Das Betäubungsmittel schon griffbereit. Und als ich lief. Lief mit mir deine Eifersucht, sie begann beinahe zu rasen. Ohrenbetäubend zu rasen. Dein Puls, war keineswegs so erstarrt wie dein Blick. Meine Augen hatte ich nur für dich. Ob du das glaubtest, glaube ich nicht. Ich schlich durch den Raum. Auf Raubtierpfoten folgten mir Rivalen, die doch keine waren. Und doch, damals wie heute, war dein Blick verzaubert. Dir hat gefallen was du sahst. Doch kam es dir zu nah. Ich war es, die dich zu dem machte, was du sein wolltest. Ich war es, die da auf dich zukam. Wie Wellen, große Wellen, sollte ich alles unter Wasser setzen.

Genau wie damals, stehe ich nun vor dir. Hier. Im hier und jetzt. Niemand hätte es je gedacht. Uns beide verlangte es danach. Lange noch, nachdem alles vorbei war. Hatte längst noch nichts begonnen. Obwohl wir nichts gewonnen, sondern nur verloren hatten. Ich konnte nicht anders.

Du lehnst an der Bar, das Betäubungsmittel in der gezeichneten Hand. Ich sehe mich an der Wand, stehen, gehen, fallen. Dein schwarzer Blick, der mir so Angst macht und der meine Höhle ist, in die ich immer flüchten möchte, ist entzückt. Verrückt, nach dem, was er da erblickt. Es ist genau der Blick, der einst so Angst hatte, vor dem meinen. Es sind die Augen, die sich ineinander verloren hatten, schon damals. Es sind die Augen, mit denen alles begann. In denen alles enden wird. Aus denen das ganze Blut erneut heraus bluten, heraus fluten wird. Ich weiß es, ich spüre es. Ich will es.

Da stehst du nun also, endlich. Wie lange sehnte ich mich. Nach dem Schmerz. Nach deinem Herz. Nach meinem Herz so glückselig bluten. Wie lange hatten nun alle deine Wörter mein Gehirn als ihre Katakomben, in denen sie gruselig von Steinwand zu Steinwand rauschten, hallten, schallten. Jetzt bist du still. Und alles was ich will, ist. Du bist. Nah. Näher. Dein Mund. Mein Mund. Unsere Lippen, hatten sich damals schon gefunden, mit den Augen verloren. Luft verschluckten wir. Ganz in unsere Herzen. Von Schmerzen, war nichts mehr da. Denn wir küssten. Wir küssten, immerdar.

Ich fühle, wie alles bricht, alles heilt. Alles eilt, rennt zu mir her. Wogen, Wellen, Winde überrauschen mich. Es bist du. Mit all deiner Macht, die mir nach dem absoluten Kuss entgegen lacht. Was haben wir uns nur dabei gedacht?

Ich will die Geschichte erzählen. Die irgendwo in der Luft hängt. Irgendwo zwischen den hunderten Kilometern. Irgendwo am Sternenhimmel. Irgendwo in einem der verqualmten Zimmern. Irgendwo in der Stromleitung. Die Geschichte die es eigentlich nicht gibt.

Die Geschichte in der ich dich liebe. In der du mich auch liebst. In der ich mir nicht sicher bin, ob du es tust oder überhaupt dazu in der Lage bist. Es ist die Geschichte, von der ersten Liebe, von der wahren, von der einzigen. Die Geschichte die träumt, die einen in blutiges Wasser gleiten lässt, das mich die Welt nur noch verschleiert und rosa sehen lässt. Es ist auch die Geschichte, die dich mit groben Händen packt, die dir die Luft abschnüren wollen, und dich in die Realität reißen. Es ist eine Geschichte, die sich manchmal anfühlt wie ein Liebesfilm, dann wie ein Selbstzerstörungsversuch, dann wie brutale Realität und dich irgendwann im Glauben lässt, sie handle vom puren Glück.

Es ist eine Geschichte, nach der ich glaubte, ich sei verrückt.

 

Ich sehe den, der nun bei mir steht. Entweder hat er blaue Augen, oder auch nicht. Deinen Mund, jedoch, den hat er nicht. Der, der bei mir steht, ist der, der sicher nicht geht. Und der sich trotzdem in mir verliert. Es ist der, der mich ansieht, und das so schrecklich an mir liebt. Der den ich in dieser Bar kennenlernte, oder dort vor dem Monet. Der von der Straße, der mit dem Anzug, der mit deiner Nase. Doch, du bist es nicht. Dich trifft jetzt nicht, was ihn treffen muss. Da wäre das mit dem Kuss. Dass er nun spürt, dass es da mehr geben muss. Seine Lippen passen nicht. Nicht richtig.

Ich aber bin verrückt nach seinen. Weil sie meine einzige Hoffnung, meine einzige Rettung sind. Ich träume von dem Wind, der mich zu dir bringt, der mich vor dir fliehen lässt. Und nun steht er da neben mir, sein Blick ganz auf mir, denn er spürt, was naht. Wie sich meine Hand in seine Taille krallt. Ich will nicht weg von ihm, und nichts will ich mehr. Ich drehe mich in meinem lebendigen Grab um. Da hilft kein Wodka mehr, auch kein Rum. Ich stürze den Inhalt meines Glases in mich hinein. Wie sehr ich mich auch stürzte in sein Wasser, das über mir brach, mir alles versprach. Wie sehr ich mich auch stürzte in seinen Mund, in seine Augen.

Seine Augen laufen voll. Ein Unglücksengel, das bin ich. Sein Unglücksengel, dein Unglücksengel, mein Unglücksengel. Meine leuchtenden Locken, haben sie in die Irre geführt. Meine reinen Augen sind dein schlimmster Feind. In denen siehst du wie sehr ich ihn liebe, wie sehr ich dich liebe. Er steht immer noch neben mir. Ist noch immer nicht geflüchtet. Ich hänge an ihm, an meinem letzten greifbaren Seil. Das war seine Hoffnung, er könnte meine Rettung sein.

Er liebt mich. Und ich, ich Unglücksengel, ich kann es nicht. Ich treibe meine Spielchen, um mich am Leben zu halten, warte auf den Moment, in dem ich ihm den Stoß verpassen werde. Auf den Moment, in dem ich hinunterblicken werde, seine Schreie in mich aufsaugen, und mich für immer nach ihm sehnen werde. Doch du, du stehst da ganz still auf der anderen Seite. Das dritte Glas bereits geschluckt. Ich wünsche mir dich tot. Ich sehe mich in rot. Neben deinem reglosen Körper stehen. Dich ansehen, dich ansehen. Ist alles was ich je wollte. Für den Rest meines Lebens.

Aufwachen. Deine Hand in meinen Teufelslocken. Deine verschlafenen Augen, wie sie sich ganz langsam, ganz langsam, voll gespannter Vorfreude, voll zögernden Glücks, zu öffnen beginnen. Bis du durch deine schwarzen Wimpern hindurch blinzelst und ein noch verträumtes Grinsen über deine Wangen huschen lässt. Dann verschwinden deine Finger in meinem Haar, du schließt deine schönen Augen wieder. Ich sehe nur noch deine Lider und höre einen so zufriedenen Seufzer, dass er mir durch meine Knochen fährt und in meinem Herz noch hallt. Ich wünschte, dass du nie vergisst.

Was du bist, für mich. Fragst du dich. Nur ich, ich weiß es nicht. Alles bist du, und auch nichts. Du bist, wohin ich renne, innerlich. Du bist, was mich zerfrisst. Du bist, wovor ich flüchten will. Meine Schreie, sie schluchzen, weinen so still. Nur in meiner Seele, gebe ich zu, dass ich dich will. Dich, mit all deinem Schmerz, deinem ganzen, von Hass und Zweifel zerfressenen, Herz.

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