[Das Leid der Eltern ist unser Unfallort]

Ich weiß, dass gleich etwas passieren wird. Das Grollen und Flüstern. Das Anschleichen. Der Fahrtwind, der braust und prescht. Er kracht. Dann Quietschen der Reifen, Kreischen. Ein Schrei. Ein unbeschreiblicher Schrei. Ich bin erst erstarrt und renne dann. Ich denke an Tod. Der Ton bleibt in den Ohren. Er bleibt im ganzen Raum, in der ganzen Zeit. Dieser Schrei, der einem gar nicht durch Mark und Knochen fährt, sondern einem einfach nur alles Gefühl weggeschrien hat, hallt durch die ganze Welt. Ich stehe, renne, denke, spreche. Und weiß nicht, was ich denke oder wie. Und weiß nicht, was ich sage und warum. Ich sehe dich da stehen. Und habe solche Bilder schon gesehen. In den Köpfen anderer Leute. In den Albträumen, aus denen man erwacht. Ich wache nicht auf und renne nicht weg. Ich bin erstarrt in diesem Schrei. Und ich sehe erstarrt und leer zu, wie dieses Geräusch nicht weggeht. Aber ich kann nicht schreien, mir die Ohren zuhalten, wegrennen, die Augen zusammenkneifen. Es ist, als hätte mir der Ton, diese Sirene, diese Hyäne, alles Blut aus meinen Adern gefetzt. Und ich höre erstarrt und leer zu, wie sich Münder und Körper zu abyssischen Gestalten verformen. Dann sehe ich dich. Die Augen aufgerissen. Ich packe deine Ärmchen, deine Hände und will dich wegzerren. Weit weg. Will, dass du nicht hören musst, was du hören musst. Ich muss dir die Ohren abschneiden, doch das Blut… Ich schließe Türen, eine nach der anderen. Ich nehme dich an den Händen und drücke dich an mich. Doch ich zittere um mein ganzes Herz. Und ich weiß, dass Kinder alles spüren. Dass ich ruhig sein muss. Ich kann nicht ruhig sein. Ich will dir dein Gefühl für diesen Moment nehmen. Ich halte dir die Ohren zu, weil ich es selbst nicht kann. Fange an zu beten und zu singen. Und bitte Gott um Ruhe und ein festes Herz. Doch die Ruhe kommt nicht und das Blut läuft immer weiter in die Gräben um uns herum. Ich versuche dich festzuhalten, dich anzulächeln. Und will selbst nur brechen. Alles raus. Der Ton aus unseren Ohren, aus unserem Herz. Weg, weg, weg. Rennen sollte ich und dich wegbringen von hier. Fort, fort, fort, weit fort.

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