[ Ein Pamphlet gegen Altersdiskriminierung ]

Gegenüber steht sie nun jeden Tag vor der Tür. Vor der Tür ihres gelben Ladens. Dem Kinderbuchantiquariat. Und bis ich dich davor mal sah, wusste ich nicht mal wer sie war. Du hast mit deiner Kippe da gestanden, in meiner Straße, was fällt dir ein. Das Komplettpaket hat auch sie erhalten. Kind, nein besser noch: Sohn, und einen Laden. Das zweite Mal eine Frau geschwängert, Schluss aus Ende, – aber stolzer Vater zweier Söhne, und noch mehr Alimente. Ein weiterer Fehler in einer scheinbar endlosen Endlosschleife. Aber du machst dich selbstgerecht lustig über Frauen deines Alters, die von verschiedenen Männern Kinder aufgehalst bekamen und danach da saßen, alleine. Du lachst über deren Fehler, gehässig, mit deiner fiesen Grinse, vor den tabakisierten Zähnen. Du machst sie runter, in dem Moment, in dem sie versuchen sich dir zuzuwenden, dich kennenzulernen. Du lachst laut los und spuckst faulige Körbe mitten in deren Gesichter. Wenn du dann im Kerzenlicht bei mir sitzt, einer, die halb so alt ist, deren Brüste noch nicht hängen, die noch kein Kind von irgendeinem Arschloch, wie dir, ausgetragen hat, – lachst du mir mitten ins Gesicht und meinst wohl noch, auf mich würden solche Anekdoten einen guten Eindruck machen. Vielleicht unterschätzt du da etwas mein Denkvermögen oder meinen Weitblick. Auch ich werde irgendwann mal vermutlich vierzig sein. Aber nein, auch mir erzählst du gleich von Heiratsplänen. Auch bei mir hast du sofort die Idee in deinem Kopf, mich zu schwängern, mit der Prämisse, du zeugst nur Söhne, versteht sich. Voller Stolz gesprochen und ich frage mich,  in welchem Zeitalter du festhängst, dass du dich anhörst, als wären Töchter minderwertig. Natürlich hast du gleich die Vorstellung wie ich die Beine spreize. Nur hier hast du dich wohl etwas überschätzt. Wenn einem beim ersten Rendezvous was von Heiraten und Bestimmung erzählt wird und was von einen geilen Arsch, setzt nicht automatisch das Gehirn aus. Im Gegenteil. Die Rechnung hast du ohne mich gemacht, und heute noch, ein Jahr später, musst du sie bezahlen. Damals tönte noch aus deinem Mund, du würdest jungen Dingern nicht hinterher rennen. Jetzt rennst du, ich renne weg, und stolper ab und an, über dein Lächeln, über meinen unerschütterlichen Glauben an das Gute, über deine Manipulation. Deine Überredungskünste haben mich schon etliche schlaflose Nächte gekostet, in denen ich verzweifelt auf der Suche nach meinem Platz war. Mal saß ich bei dir, mal bei mir, mal stand ich da, mal dort, mal etwas weiter weg. Ich hörte dich sagen, dass wir auf einer Ebene seien. Dann hörte ich dich mich kleinmachen. Ich hätte keine Ahnung vom Leben. Nein, selbstverständlich nicht, eigentlich wartet man ein Leben lang darauf, dich zu treffen, auf dass du einem die Welt erklärst. Mir wurden Fragen gestellt, aber alle meine Antworten waren falsch. Die Fragen, die ich stellte, waren ebenfalls nicht richtig. Und dass alles falsch war, was aus meinem Mund kam, war wohl weil ich gar nichts hätte sagen sollen. Meine einzige Berechtigung wären wohl lautes Stöhnen und Lobeshymnen auf deine immense Potenz gewesen. Leistung aus Leidenschaft, der Spruch, mit dem du dich mir angepriesen hast. Dass du dich nicht schämtest, wundert mich. Deine Dreistigkeit ist unbeschreiblich, deine Arroganz schon lächerlich. Was mich mal an dir reizte, weiß ich nicht. Innere Werte waren es wohl nicht.

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